35 Anekdoten aus 35 Jahren

    17.08.2023
     

    PLAYER'S MAGAZINE SOMMER 2023
     

    In den dreieinhalb Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Vereinigung der Fußballer viel für die Profis in Österreich erreicht. Und dabei noch mehr erlebt.

     

    1 – Am Anfang stand der Prämienstreit

    Ende der 1980er-Jahre war Rapid eine Macht. Die Hütteldorfer waren der Konkurrenz klar überlegen und hatten so oft gewonnen, dass sie finanziell vor dem Abgrund standen. Die Punkteprämien der Spieler überstiegen das vorhandene Mittel deutlich. Die Lösung: Die Funktionärsspitze wollte die Prämien trotz bestehender Verträge kürzen. Die Kronen Zeitung berichtete darüber. Mit hypothetischen Worten die schon bald Realität werden sollten: „Wenn die Spieler nur eine Gewerkschaft hätten …“.

     

    2 – Viel Gegenwind

    Veränderungen werden nicht zuletzt in Österreich kritisch beäugt. In ihrer Entstehungsphase war die VdF oft mit einer Frage konfrontiert: „Brauchen wir das wirklich?“ Immerhin formierte sich plötzlich eine Organisation, die sich anschickte, gestrige Traditionen und verkrustete Strukturen zu hinterfragen. Vor allem aus dem ÖFB war Gegenwind zu spüren, der erst im Laufe der Zeit zum Lüfterl wurde.

     

    3 – Doppelpass mit den Spielern

    Zugegeben, nicht jeder Doppelpass mit den Profis kam am Anfang an. Im Laufe der Zeit wurde das Zusammenspiel aber immer besser. Heute versteht man sich blendend – die VdF ist eine vertrauensvolle Ansprechstelle für die Spieler geworden, weil ihre Interessen vertreten werden und mit Informationen sorgsam umgegangen wird. Gleichzeitig fordert die VdF aber auch von den Spielern Selbstverantwortung ein und warnt etwa davor, Zweit- oder Drittverträge zu unterzeichnen.

     

    4 – Die ersten Mitglieder

    Heinz Peischl und Michael Streiter sind die Dauerbrenner der VdF. Sie waren schon 1988 bei der Gründung als Mitglieder dabei und sind es heute noch. In 35 Jahren durfte die Organisation mittlerweile drei Generationen von Kickern begrüßen und betreuen.

     

    5 – Mitglieder werben trotz Baseballschläger

    Die VdF (be)sucht und findet ihre Mitglieder überall. In den vergangenen Jahren führte der Weg der VdF deshalb immer wieder zu den Wintertrainingslagern der Klubs. Dass von Anfang an keine Mühen gescheut wurden, zeigt das Beispiel von Rudolf Novotny, der sich eins auf sein Motorrad schwang und nach einem Spiel in St. Pölten sogar das „Crash-Boom-Bang“-Ritual über sich ergehen ließ, um mit einer Kickerrunde ins Gespräch zu finden. Und das sah wie folgt aus: Novotny musste einen Helm aufsetzen, ein Feuerwasser auf einen Satz genießen und danach – bekam er mit einem Baseballschläger eins über die Rübe gezogen.

     

    6 – Gemeinsamer Gedankenaustausch

    Durchs Reden kommen bekanntlich die Leute zusammen. Und so wurden im Laufe der Jahre die Sitzungen der VdF mit den Spielervertretern regelrecht legendär. Die Gedankenaustausche, die einmal pro Jahr stattfinden, zählten und zählen zu den absoluten Highlights und brachten viele verschiedene Blickwinkel des Fußballgeschäfts ans Tageslicht.

     

    7 – Der lang ersehnte Vertrag

    Von der Gründung der Organisation der Vereinigung der Fußballer an war der Kollektivvertrag stets für Fußballer ein zentrales Thema, das von der VdF über all die Jahre verfolgt wurde. 20 Jahre hat es schließlich gedauert, bis er Realität wurde. 

     

    8 – Der streitbare Präsident 

    Es war nur einer von vielen Prozessen, an denen Hannes Kartnig, der streitbare frühere Präsident des SK Sturm Graz, beteiligt war. Und auch er wurde im Interesse des Spielers gewonnen. 2001 weigerte sich das Verteidigertalent Ferdinand Feldhofer seinen Vertrag bei Sturm vorzeitig zu verlängern. Kartnig verbannte den Spieler in die U23­Mannschaft und ließ ihn trotz Profivertrages nur mehr dort trainieren. Feldhofer stieg mithilfe der VdF aus seinem Vertrag aus und heuerte bei Rapid an. 

     

    9 – Abgefertigt 

    Abfertigungsansprüche und Dienstzeugnisse für Fußballer – das hatte die Welt lange noch nicht gesehen. Bis sich die VdF durchsetzte und vor dem Obersten Gerichtshof Recht bekam, womit Fußballer auch nach ihrer Karriere abgesichert sind. 

     

    10 – Streik in der ersten Division

    1998 drohten die Spieler der 1. Division mit Streik. Der Grund: Pro Klub durften in
    der zweithöchsten Spielklasse plötzlich nur 13 Spieler genannt werden, die älter als 21 Jahre waren. Eine Maßnahme, die vor allem zur Kostensenkung der Vereine beitragen sollte. Die Bundesliga kam einem etwaigen Streik allerdings zuvor und sagte vorsorglich eine komplette Runde ab. 

     

    11 – Internationalisierung

    Die VdF sieht es als ihre Pflicht an, in einer Welt des Zusammenwachsens bei internationalen Kongressen und Meetings präsent zu sein. Unter dem Dach der FIFPro entstand über die Jahre eine enge Zusammenarbeit mit den Spielervertretern der anderen Länder. 

     

    12 – Das Bosman-Urteil

    Jean-Marc Bosman hat den Fußball revolutioniert. Ohne das vom Belgier erwirkte Urteil wäre der Sport heute ein anderer. Die VdF war als Mitglied der internationalen Spielergewerkschaft im Jahr 1995 live bei der Entscheidungsfindung dabei. Die internationalen Verbände FIFA und UEFA wollten die Angelegenheit abblocken, konnten dem rechtlichen Druck letztlich aber nicht standhalten. 

     

    13 – Transfer für Amateure

    Die Transferregelung im Amateurbereich war früher frei verhandelbar. Zunächst musste man zwei Jahre lang „stehen“, durfte also nicht spielen, um danach kostenlos frei zu sein. In der Bundesliga beschränkte sich diese Zeit auf nur ein Jahr. Als sich Franz Almer einst beim GAK in diese „Stehzeit“ begab, wollte die Liga das auch für Bundesligaspieler auf zwei Jahre erweitern. Sogar ein Spielerstreik stand im Raum; ein Mittel, das letztlich den Erfolg brachte – es blieb bei einer einjährigen Wartezeit. 

     

    14 – Stadionverbot für die VdF

    Die VdF ist nie den einfachen Weg gegangen, hat keine Mühen gescheut – und hat dadurch immer wieder Nachteile erfahren – so zum Beispiel auch in der Saison 1999/2000, als sich Sturm Graz auf dem absoluten Höhepunkt unter Hannes Kartnig befand. Top in der Bundesliga, erfolgreich auch auf internationalem Parkett: Sturm fuhr einen Sieg nach dem anderen ein, Kartnig ließ sich in Graz feiern wie einst Nero in Rom. Doch die VdF schaute und klopfte auf die Finger und kritisierte so manch fragwürdigen Zustand sowie manch eigenartige Aktion. Was zur Folge hatte, dass die Protagonisten der VdF in dieser Saison ein von Hannes Kartnig höchstpersönlich ausgesprochenes Stadionverbot für die Heimspiele von Sturm Graz erhielten. 

     

    15 – Mittendrin statt nur dabei

    Wie wichtig die Vereinigung der Fußballer für den österreichischen Fußball ist, zeigt sich in den offiziellen Fußballgremien des Landes. In den Gremien, die Spieler betreffen, ist die VdF mit einem Sitz vertreten. Nur im ÖFB, der vor allem für den Amateurbereich und den Breitenfußball verantwortlich zeichnet, hat die Spielervereinigung noch keinen Zugang erhalten. 

     

    16 – Tour zu den Legionären

    Für die Mitglieder ist der VdF kein Weg zu weit. Früher besuchte man noch per Auto Toni Polster in Köln oder Franz Wohlfahrt in Stuttgart. Mittlerweile besteigen die VdF-Mitarbeiter das Flugzeug. Und sorgen so dafür, dass die Kommunikation mit den Legionären als wichtiger Bestandteil der Meinungsbildung in der VdF gepflegt wird.

     

    17 – Tabelle der anderen Art

    Die Erstellung der Tabelle der anderen Art stellt die wahrscheinlich aktivste Zusammenarbeit mit den Spielern dar und bringt immer wieder interessante Aufschlüsse über das Innenleben eines Vereins. Ähnlich verhält es sich mit der Pitch Competition, bei der die Plätze der Profiligen direkt nach einem Spiel beurteilt werden. Und zwar von der gegnerischen Mannschaft, die der VdF ihr Voting per SMS zukommen lässt.

     

    18 – Bruno Gala

    Weil es keine fachkundigere Jury als diejenigen geben kann, die selbst aktiv auf höchstem Niveau kicken, wählen die VdF-Mitglieder selbst ihre Jahresbesten. Der bedeutendste Fußballpreis des Landes wird bereits seit 1997 vergeben und wird im Gedenken an Bruno Pezzey verliehen. 

     

    19 – Die Marke VdF

    Am 31. Oktober 1997 legte Gernot Zirngast eine Bestandsaufnahme der VdF vor. Die Arbeit war Teil der Managementakademie der Fußball-Bundesliga. Im Visionsteil der Ausführungen sagte er schon damals die Zukunft der VdF voraus: „Die VdF wird sich, je nach wirtschaftlicher Situation, nochmals in zwei Teile spalten. Der bestehende Teil bleibt, es werden jedoch (...) Aufgaben ausgegliedert.“ Weiters gilt es als Ziel, die Marke VdF nachhaltig zu etablieren. 

     

    20 – Starcamps

    Seit 1998 leistet die VdF ihren Beitrag zur Nachwuchsförderung in Österreich und veranstaltet in den Sommerferien Fußballcamps zu einem sozial verträglichen Preis. Jährlich kicken dabei rund 1.000 Kinder ab 119 Euro pro Woche und dürfen sich dabei über einen Besuch von Fußballprofis freuen. 

     

    21 – Magazin

    Seit 1998 gibt die VdF ein Magazin heraus. Dank eines Relaunch 2016 mauserte sich das Druckwerk vom Heftl zum Magazin. Seit dieser Ausgabe trägt es den neuen Namen player's magazine. Ein moderner Name, der auch zum VdF player's guide passt, der schon seit einigen Jahren als Handbuch des österreichichen Fußballs etabliert ist. 

     

    22 – Charity Events

    Die VdF stellt sich in den Dienst der guten Sache. Neben der Tombola bei der Bruno Gala und der jährlichen Golf-Charity zugunsten des „Starcamps Charity-Fond“, der auch Kindern sozial schwächerer Familien die Möglichkeit gibt, an Starcamps der VdF teilzunehmen, gab es in der Vergangenheit ganz besondere Events wie etwa „VdF on Ice“-Derbys zwischen Rapid und Austria sowie Sturm und GAK auf der Eisfläche. 

     

    23 – Der Brief der Teamspieler

    Keine helle Freude hatte die ÖFB-Spitze mit dem Brief der Teamspieler, den sie im Rahmen des Trainingslagers in Seefeld im Juni 2012 ausformulierten. Dabei bekundeten sie ihre Unterstützung für die VdF im Bestreben, das Thema der arbeitslosen Fußballer und die Nachwuchsbetreuung zu forcieren. 

     

    24 – Sprungbrett VdF

    Ehemalige VdF-­Mitarbeiter machten nach ihrer Zeit bei der Gewerkschaft Karriere. So ist Christian Kircher, ehemaliger Redakteur des VdF-­Magazins, nun Pressesprecher von Red Bull Salzburg. Oliver Prudlo wechselte von der VdF in die Position des Sportdirektors beim FC Wacker Innsbruck und dann wieder zurück. Namhafte Vorstandsmitglieder waren Peter Schöttel (heute ÖFB­-Sportdirektor) oder die erfolgreichen Trainer­ Legionäre Adi Hütter oder Oliver Glasner. 

     

    25 – Die Causa Onisiwo

    Ohne Karim Onisiwo musste der SV Mattersburg im Jahr 2016 in die Vorbereitung auf die Frühjahresmeisterschaft gehen. Das Fehlen des ÖFB- Teamspielers hatte einen guten Grund: Sein Vertrag wurde vom Arbeits- und Sozialgericht Wien mit 30. Juni 2015 für ungültig erklärt. Die VdF war in die Sache involviert und vertrat die Interessen des Spielers, der ablösefrei nach Mainz wechseln konnte. Dieses Urteil revolutionierte das Optionswesen für die Spieler.

     

    26 – VdF-Talk

    Wenn namhafte Gäste aktuelle Fragestellungen des Fußballs beleuchten und LAOLA1.tv live überträgt – steht ein VdF-Talk an. Seit einigen Jahren lädt die VdF bereits zur Diskussion. Moderiert wurde zuletzt von Michael Fiala (Chefredakteur, 90minuten.at) 

     

    27 – Camp für vertragslose Fußballer

    Immer wieder kam es im Sommer dazu, dass Spieler nach Auslaufen ihrer Verträge ohne Verein dastanden – und im Sommer keinen Ort für entsprechenden Trainingsalltag vorfanden. Seit Sommer 2014 gehört das in Österreich der Vergangenheit an. In Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) sowie dem durch das AMS mitfinanzierten Verein KADA (Karriere danach) können sich die vertragslosen Kicker auf hohem Niveau in einem normalen Trainingsalltag fit halten, Spiele gegen vertragslose Spieler anderer Nationen bestreiten und zudem eine Laufbahnberatung für die zweite Karriere erhalten. 

     

    28 – Wisio und Beichler

    Im Sommer 2016 kehrte eine altbekannte Praxis in den Fußball zurück. Die St. Pölten-Profis Tomasz Wisio und Daniel Beichler wurden aus dem Kader eliminiert und zu den Amateuren versetzt, weil mit ihnen nicht mehr geplant wurde. Die VdF leitete umgehend rechtliche Schritte ein. Und erreichte, dass die Spieler wieder ihrer Arbeit nachgehen durften. 

     

    29 – Erfolgsgeschichte Bruno Gala

    Seit 1997 ist die Bruno Gala ein Fixstern am Eventhimmel der Fußballszene Österreichs. Bereits in der Vergangenheit waren illustre Orte wie das Casino Baden oder das Volkstheater in Wien Schauplatz der Veranstaltung. Im Jahr 2023 findet die Bruno Gala unter der künstlerischen Leitung von Schauspieler Gregor Seberg im Globe in der Marx-­Halle statt. 

     

    30 – Evolution der One-Man-Show

    Im Jahr 1988 startete Rudolf Novotny praktisch alleine (unterstützt von Beatrix Kozina und Margaritha Klinger im Sekretariat der damaligen Gewerkschaft KMfB) mit der Fachgruppe Fußball im ÖGB. Heute – im 35. Bestandsjahr der Vereinigung der Fußballer – arbeiten mit Gernot Baumgartner, Thomas Hinum, Oliver Prudlo, Gregor Pötscher, Gernot Zirngast und Rudolf Novotny sechs Personen für die VdF.

     

    31 – Basketball und Eishockey

    1988 startete die Erfolgsgeschichte der VdF – Jahrzehnte später unterstützte die Fußballergewerkschaft im Jahr 2020 auch die Sportlerkollegen im Eishockey und Basketball bei der Formierung ihrer Interessensvertretungen.

     

    32 – Corona-Krise

    Corona trifft alle Bereiche unseres Lebens – die VdF machte sich im Sinne der Berufsspieler für eine schnelle Umsetzung der Kurzarbeit stark, die Vereinen und Spielern gewisse finanzielle Sicherheit garantiert. Dass die Meisterschaft der 2. Liga zu Ende gespielt werden konnte, lag auch am Einsatz der Spielervereinigung. 

     

    33 – Millionäre?

    Im Jahr 2019 gab die VdF eine umfassende Studie heraus, in der die Gehaltsmediane in der Bundesliga und der 2. Liga veröffentlicht wurden: In der höchsten Spielklasse verdienten die Kicker damals rund 8.000 Euro im Durchschnitt, in Liga 2 etwa 1.300 Euro. 

     

    34 – Die VdF ist frei 

    Im November 2022 löst sich die VdF vom ÖGB – 1.000 Mitglieder werden seitdem in gewohnter Qualität vom bisherigen VdF- Team vertreten. 

     

    35 – Statement

    Am 29. Mai 2023 sprechen sich die Spielervertreter der 28 Bundesligaklubs in einem offenen Brief an ÖGB- Präsident Katzian für die VdF als ihre Interessensvertretung aus.